Die digitale Nomadin
Sie ist in Wien geboren, kickte bei St. Pauli und liebt Segeltörns: Seit Ende 2023 tourt Michaela Seidl durch Europa, um das internationale Projektmanagement bei TÜV NORD CERT voranzutreiben.
Wenn man mit Michaela Seidl telefoniert oder sich via Teams trifft, dann fragt man am besten erstmal kurz nach, wo sie gerade ist: Hamburg, Wien, Köln, Bologna oder Eindhoven – das wechselt manchmal wöchentlich. Gerade ist sie aus den Niederlanden zurück in Hamburg, eine Woche später ist sie schon wieder in Großbritannien. Nachdem sie viele Jahre im internationalen Projektmanagement bei TÜV NORD CERT in Hamburg gearbeitet und sich um Großkunden gekümmert hat, ist sie seit knapp einem Jahr als digitale Nomadin des Business Development unterwegs und teilt ihre Erfahrungen mit den europäischen Tochtergesellschaften, um das internationale Projektmanagement weiter auszubauen.
Sie reist stets mit kleinem Arbeitsgepäck: ein Laptop, ein Tablet und eine dunkelblaue Kladde für Notizen. Was nie fehlen darf, ist ihre Musikbox, aus der „Classic-Rock“ schallt, wie sie lachend erzählt: Queen, Led Zeppelin oder Bruce Springsteen, das sei ihre musikalische Heimat. Mit einem österreichischen Vater und einer bulgarischen Mutter, beide Logistiker, war ihr das Internationale quasi schon in die Wiege gelegt. Sie mag Menschen und Begegnungen – besonders in der TÜV NORD-Welt haben ihr außergewöhnliche Begegnungen immer wieder Türen geöffnet.
Während des Studiums jobbte Michaela in der Buchhaltung eines Unternehmens in Wien, in der eine Auditorin von TÜV NORD prüfte. „Ich kam gerade aus Hawaii wieder, war braun gebrannt und saß im Januar in zerrissenen Jeans im Büro. Ich habe sie gefragt, ob sie nicht wüsste, wo ich im Ausland arbeiten könnte.“ So kam der Kontakt nach Hamburg zustande und ein Studierenden-Job für sechs Monate. Ihr damaliger Chef habe im Anschluss gesagt: „Nimm mal den Laptop mit nach Wien und mach dein Studium zu Ende – und dann kommst du wieder.“ Sie arbeitete von Wien aus weiter für TÜV NORD und ging nach dem Studium ganz nach Hamburg. Und so wurden aus sechs Monaten mittlerweile elf Jahre. „Auch wenn ich gern und viel unterwegs bin, habe ich eine Tendenz zum Klebenbleiben“, sagt Michaela. „Die Möglichkeit, als digitale Nomadin im Konzern tätig zu sein, schätze ich sehr. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. Aber ich brenne auch für die Arbeit und das Unternehmen.“
Organisieren und koordinieren – das ist ihr Ding. Michaela und ihre Kolleg:innen beherrschen die Prozesse der Systemzertifizierung aus dem Effeff. „Wir hatten die Idee, unser Know-how mit den anderen Gesellschaften zu teilen – aktuell mit dem Cluster Western Europe –, sodass diese ihre eigenen Großkunden entweder übernehmen oder neu akquirieren und sie dann auch entsprechend abwickeln können“, schildert Michaela in typischem Wiener Dialekt. Für den besseren Austausch hat sie mit den Kolleg:innen eine gemeinsame Kommunikationsbasis geschaffen, bestehend aus SharePoint und monatlichen Meetings mit einem Team aus Deutschland, Italien, den Niederlanden und Großbritannien. „Wir haben so viele coole Menschen, die sich untereinander sehr viel geben können.“
Im Jahr 2018 sorgte eine weitere Zufallsbegegnung im TÜV NORD-Aufzug dafür, dass sie beim Fußball-Frauenteam des FC St. Pauli landete. „Eine Kollegin aus der Akademie hat mich im Aufzug angesprochen: ‚Du siehst aus, als ob du Fußball spielen kannst. Hättest du nicht Lust, bei St. Pauli zu kicken?‘“ Hatte sie unbedingt, denn Michaela ist mit Fußball groß geworden. Sie hat beim Wiener Sportclub gespielt und hat es als Torhüterin bis in die österreichischen Nationalteams der U15 und U17 geschafft. Auch wenn sie 2022 nach einer schweren Rückenverletzung mit dem Fußball aufhören musste, ist sie der Kollegin bis heute dankbar. Jetzt hat sie das Segeln als Wohlfühlort für sich entdeckt, entspannt gern bei ausgedehnten Törns auf der Ostsee um Föhr und vor Dänemark.
Wir sind alle Kolleginnen und Kollegen auf Augenhöhe, die viel voneinander lernen können.
-
2020 spielte Michaela Seidl im Fußball Frauenteam FC St. Pauli
-
Training im Millerntor-Stadion
-
Michaelas Wohlfühlort: Beim Segeln auf der Ostsee auf dem Weg nach Grömitz
Sie liebt Zahlen und bezeichnet sich selbst als „Excel-Freak“. 2023 war sie mehrmals in der Niederlassung in Großbritannien und hat dort ein Forecasting-Tool erstellt, um Kapazitäten leichter und betriebswirtschaftlich noch besser zu planen. Sie hat Trainingsmaterialien entworfen und die Kolleg:innen in diversen Themen geschult. In diesem Jahr war sie jeweils für mehrere Monate an Standorten in Italien, den Niederlanden und wochenweise in Großbritannien, und hat die Kolleg:innen vor Ort dabei unterstützt, Großkunden im jeweiligen Land in die „systematische“ Kundenbetreuung zu überführen. „Insgesamt wurde ich mehr als herzlich aufgenommen und fühlte mich schnell als Teil der Teams. Aber ich gehe bestimmt auch vielen Menschen fürchterlich auf die Nerven, weil ich manchmal zu flott unterwegs bin“, sagt sie. Sie habe aber immer die Sache im Sinn und gehe stets respektvoll mit anderen Menschen um. Dabei stehen die Fragen im Mittelpunkt: Wo liegen die größten Probleme im Key Account Management? Wie lassen sich diese lösen? Michaela bringt Ideen und funktionierende Prozesse mit. Umgekehrt nimmt sie auch Ideen aus den Auslandsgesellschaften mit nach Deutschland. „Wir sind alle Kolleginnen und Kollegen auf Augenhöhe, die viel voneinander lernen können“, sagt die 32-Jährige. Ihr sei es grundsätzlich wichtig, als TÜV NORD weiter zusammenzuwachsen und Informationen und Wissen in alle Richtungen zu teilen. „Jeder Einzelne kann etwas dazu beitragen, dass wir konzernweit voneinander profitieren und noch internationaler werden.“ Sie erlebe manchmal selbst gemachte Grenzen, wie Sprachbarrieren. Sie kennt das selbst. Auch sie habe, so erzählt sie ganz offen, anfänglich erst ihre Scheu verlieren müssen, ihr Schulenglisch täglich im Berufsleben anzuwenden. „Sprache ist dazu da, sich zu verständigen. Und wenn das funktioniert, dann ist es doch am Ende egal, ob man 50 Fehler dabei macht.“
Abendessen mit Kolleg:innen in Bologna im „Nonna Rosa“, wo man angeblich das beste Cotoletta alla bolognese essen kann.
Während des Aufenthalts in Bologna: Aus Kolleg:innen wurden Freund:innen
Michaela hat bei den europäischen Gesellschaften viele neue Freundschaften geknüpft, die sie weiter pflegt. Und sie hat die beste Eisdiele der Welt entdeckt: „Ich liebe Eis und bei Gianni in Bologna gibt es das beste. Ich war jeden Tag Eis essen“, erzählt sie und lacht. Wenn sie aus Großbritannien wieder da sei, fahre sie nach Bologna. Dann allerdings privat. Bevor es weiter in die USA geht. Aber das ist schon der Stoff für die nächste Geschichte über die digitale Nomadin von TÜV NORD CERT.