Was ist eine gute Kommunikation wert, Herr Himmelsbach?

Zahlen sprechen bekanntlich für sich – oder braucht auch der Finanzbereich gute Kommunikation?

Jürgen Himmelsbach: Zahlen sind die Grundlage jeder Entscheidung. Aber Zahlen allein erzählen noch keine Geschichte. Wir brauchen eine gute Kommunikation, um zu erklären, wofür wir investieren, z. B. wenn wir ein Unternehmen akquirieren. Es müssen Zusammenhänge erklärt und Chancen sowie Risiken eingeordnet werden. Gerade in einem internationalen Technologiekonzern wie der TÜV NORD GROUP ist es wichtig, dass alle verstehen, warum wir Entscheidungen treffen und welche Auswirkungen sie haben. Gute Kommunikation schafft Vertrauen – und Vertrauen ist für uns ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Worauf kommt es bei der Kommunikation im Finanzbereich besonders an?

Jürgen Himmelsbach: Zuallererst müssen die Zahlen stimmen. Wichtig sind Klarheit, Verlässlichkeit und Transparenz. Finanzthemen können komplex sein. Unsere Aufgabe ist es, sie verständlich zu machen, ohne dabei an Präzision zu verlieren. Gleichzeitig müssen Informationen konsistent und nachvollziehbar sein. Gute Finanzkommunikation schafft die Grundlage für fundierte Entscheidungen – intern wie extern.

Social Media leben von Geschichten. Haben Zahlen, Daten und Fakten dort eine Chance?

Jürgen Himmelsbach: Unbedingt. Menschen interessieren sich für Fakten, wenn sie relevant und verständlich aufbereitet werden. Natürlich funktionieren reine Tabellen in sozialen Medien selten. Aber hinter jeder Zahl steckt eine Entwicklung, eine Innovation oder eine von Menschen erbrachte Leistung. Deshalb braucht auch Finanzkommunikation gutes Storytelling. Zahlen und Geschichten müssen intelligent verbunden werden.

Hinter jeder Zahl steckt eine Entwicklung, eine Innovation oder eine von Menschen erbrachte Leistung. Deshalb braucht auch Finanzkommunikation gutes Storytelling.

Jürgen Himmelsbach
Finanzvorstand

Finanzvorstand Jürgen Himmelsbach im Austausch mit Meike Reuter, Geschäftsführerin TÜV NORD Service, und Volker Wiegelmann, Bereichsleiter Finanzen TÜV NORD AG.

An welchen Quellen orientiert sich der Finanzvorstand, sind Wall Street Journal und Handelsblatt für Finanzleute noch immer Pflichtlektüre?

Jürgen Himmelsbach: Wenn man mich früh morgens in meinem Büro aufsucht, ist es sehr wahrscheinlich, dass man mich am Schreibtisch beim Zeitunglesen „erwischt“. Das ist dann das Handelsblatt, das ich täglich erhalte. Es ist tatsächlich so, dass das Wall Street Journal und das Handelsblatt nach wie vor zu den wichtigsten Wirtschafts- und Finanzmedien gehören. Hinzu kommen internationale Quellen, Branchenanalysen, Research-Berichte und digitale Informationsdienste. Entscheidend ist heute weniger die einzelne Publikation als die Fähigkeit, verschiedene Perspektiven miteinander zu vergleichen.

Ist der jährliche Geschäftsbericht noch eine Publikation von Gewicht?

Jürgen Himmelsbach: Er wird von Kunden, Wettbewerbern, Banken, Lieferanten, Medien und Mitarbeitenden gelesen, vorwiegend in digitaler Form. Die gedruckten Exemplare haben wir mit den Jahren zurückgefahren, aktuell sind es 350. Wir leisten uns ganz bewusst einen Geschäftsbericht in hoher Qualität, der zeigt, dass wir unsere Zahlen transparent darstellen, wirtschaftlich gut dastehen und welche Ziele wir verfolgen. Banken, Geschäftspartner, Kunden und potenzielle Mitarbeitende erhalten belastbare Informationen. Wenn ich einem Partner aus der Finanzbranche einen gedruckten Geschäftsbericht überreiche, kommt das immer sehr gut an.

Euphorie und Pessimismus sind selten gute Ratgeber. Erfolgreiche Entscheidungen entstehen nicht aus Überschriften, sondern aus Analysen.

Finanzmärkte reagieren oft auf große Schlagzeilen. Wie bewahrt man bei guten oder schlechten Nachrichten einen kühlen Kopf?

Jürgen Himmelsbach: Mein Team und ich konzentrieren uns auf Fakten. Euphorie und Pessimismus sind selten gute Ratgeber. Erfolgreiche Entscheidungen entstehen nicht aus Überschriften, sondern aus Analysen. Deshalb versuchen wir, Entwicklungen immer im Kontext zu betrachten und langfristig zu denken. Gerade in dynamischen Zeiten ist Besonnenheit ein guter Ratgeber.

Muss ein Vorstand immer im Mittelpunkt des Interesses stehen?

Jürgen Himmelsbach: Da gibt es sicher unterschiedliche Sichtweisen und Temperamente: Im Mittelpunkt müssen immer das Unternehmen und die Mitarbeitenden stehen. Natürlich gehört Sichtbarkeit zur Rolle eines Vorstands, gerade des Vorsitzenden. Aber entscheidend ist nicht die Aufmerksamkeit für die eigene Person, sondern ob das, was kommuniziert wird von unseren Mitarbeitenden und der Öffentlichkeit verstanden wird und nachvollzogen werden kann.